24.12. Finale

Und da wären wir.

Ich war so klug, wie zuvor. Ich musste immer noch eine Entscheidung treffen, was mich zu meiner Ausgangsüberlegung zurückbringt. Was nützt es, die Welt zu retten, wenn Anna-Maria kein Teil davon wäre? Andererseits war ein Deal mit dem Teufel – oder einem Teufel – noch nie reibungslos oder ohne Betrug verlaufen. Fragt mal Spawn. Oder Faust. Oder…

Ich wollte Beverly den Koffer aus der freien Hand nehmen – mit der anderen hielt sie immer noch Agent Blaukötters Hand. Aber Jockel nahm ihr den Koffer weg, reichte ihn mir und flüsterte mir etwas zu. Ich blickte mich noch einmal um und sah Dirk und Myrthe, Beverly Hilskop und Gabriel Blaukötter, einen zufriedenen Jockel, hinter dem ich meinte, für einen Augenblick sowas wie weiße Flügel zu entdecken, aber das war ja Quatsch. Wobei mich heute nix mehr wunderte.

Ich trat auf den Dunklen zu, blickte in Anna-Marias Augen. Sie schien mir zu sagen: „Tu’s nicht. Nicht wegen mir!“ Doch ich versuchte, ihr zu signalisieren: „Doch, nur wegen dir! Und alles wird gut. Ich habe einen Plan. Und der wird gelingen. We’ll all be safe!“ Aber ich wusste nicht, ob meine Augen so ausdrucksstark waren, dass sie mich verstand.

Ich schritt in den Nebel, der uns drei umschloss und auf eine Reise führte. Eine Reise, die dort enden sollte, wo alles hätte beginnen müssen: in der Halle Münsterland bei Leonard Cohens Konzert!

Wir tauchten mitten in der Menge auf. Doch die Leute schienen uns nicht wahrzunehmen. Der Teufel hielt A-M noch immer fest in der einen Hand, den Erregervirus in der anderen. Nun war ich dran.

„Gib mir Anna-Maria. Und ich gebe dir den Koffer. Dann kannst du endlich die Menschheit vernichten und deine gefangenen Seelen mitnehmen. Mir egal.“ Ich pokerte.

„Woher weißt du…?“

„…dass der Koffer ein Seelenfänger ist? Das wurde mir zugeflüstert. Ebenso, wie ich den Bestimmungsort deines Reisenebels beeinflussen konnte.“ Im Vorteil gegenüber dem Teufel zu sein, fühlte sich verdammt gut an. „Weil der Deal von Dir ausging, musste ich in deinen Nebel treten, sozusagen als Bestätigung. Und ich konnte ihn mit meinen Gedanken lenken. Wusstest du nicht, was? Und du wusstest auch nicht, dass ich weiß, dass du nicht weißt, was deine Größte Schwäche ist: Liebe.“

„Wohin soll das alles führen? Was redest du?“ Der Teufel war erbost.

Auf der Bühne stimmte Leonard Cohen seinen letzten Song an: „Hallelujah“. Und die Menschen nahmen sich bei den Händen, in den Arm, zündeten Feuerzeuge an, küssten sich. Und der Teufel schrie auf.

„AArgh, du verdammter…“ Er ließ Anna los und den Erreger fallen. Schnell griff sie sich das Röhrchen, es war unversehrt, und rannte hinter mich. Ich öffnete den Koffer. Die Seelen, die er dort gefangen hielt, zerrten an seiner Gestalt, es muss eine Art Astralkörper gewesen sein. Die Gefangenen sogen ihn in den Seelenfänger hinein. Er schrie und wehrte sich, doch all die Liebe im Raum machte ihn schwach. Anna warf das Röhrchen in den Koffer hinterher und wir verschlossen ihn wieder. 12 Seelen hatten sich geopfert, um unsere Welt vor dem Dunkel zu retten.

Endlich sah ich Anna an. Ihre Augen füllten sich mit Tränen der Erleichterung. Ich wischte sie fort.

„Ich würde dir gerne was sagen“, begann ich. „Klar, Beziehungen, die mit Extremsituatiionen beginnen, halten selten lange, aber ich habe schon vor dieser absurden Heldenreise etwas für dich empfunden. Viel. Alles.“

„Und ich doch auch.“

Ich zog sie an den Händen heran, legte meine Hände um ihre Hüften und küsste sie lange. Sie erwiderete den Kuss.

„Ich liebe dich.“

„Ich weiß.“ Wir Star Wars-Nerds.

Wir versanken ineinander zu den herzerwärmenden Klängen von Leonard Cohens Meisterwerk.

Und bis heute haben wir uns nicht wieder losgelassen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Kirsch sagt:

    Schade – vorbei!

    Gefällt mir

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